Wasser ist selbstverständlich – solange es da ist. Doch der Klimawandel, steigende Temperaturen und veränderte Niederschlagsmuster stellen Landwirtschaft, Wirtschaft und Gesellschaft zunehmend vor neue Herausforderungen.
Beim art◦SALON◦science „WASSER – Die unterschätzte Ressource“ des Vereins nexus_art + science in der Sektkellerei Inführ in Klosterneuburg diskutierten Expertinnen und Experten aus Weinbau, Wirtschaft und Kunst über die Veränderungen, die bereits heute sichtbar sind – und über mögliche Antworten für die Zukunft.









DI Ing. Alfred Deim machte die Folgen des Klimawandels am Beispiel des Weinbaus deutlich. In den vergangenen rund 30 Jahren ist die Temperatur um etwa 1,5 Grad Celsius gestiegen, während sich gleichzeitig Niederschlagsmengen und deren Verteilung verändern. Besonders die zunehmende Trockenheit stellt Weinbaubetriebe vor neue Herausforderungen. Bewässerung – insbesondere Tröpfchenbewässerung und eine langfristig gedachte Wasserversorgung der Reben – wird daher künftig eine noch wichtigere Rolle spielen.
Auch die Wahl der Rebsorten verändert sich. Pilzwiderstandsfähige Rebsorten (PIWI) gewinnen zunehmend an Bedeutung und eröffnen neue Möglichkeiten für einen Weinbau, der besser an veränderte klimatische Bedingungen angepasst ist.
Die wirtschaftliche Perspektive brachte Mag. Thomas Schlatte, geschäftsführender Gesellschafter der Sektkellerei Inführ und Unternehmer im Bereich Wasseranalytik, in die Diskussion ein. Geringere Erntemengen und steigende Einkaufspreise stellen insbesondere die Weiterverarbeitung und Sektproduktion vor Herausforderungen. Dabei wurde deutlich, dass sich klimatische Veränderungen innerhalb derselben Wertschöpfungskette sehr unterschiedlich auswirken können: Was für Produzent höhere Preise bedeuten kann, führt auf Seiten der Verarbeitung zu steigenden Kosten und wirtschaftlichem Druck.
Schlatte thematisierte außerdem die Qualität unseres Wassers. Zwar ist der durchschnittliche Wasserverbrauch in Österreich deutlich zurückgegangen, doch ein geringerer Durchfluss in Leitungssystemen kann – insbesondere in Verbindung mit höheren Temperaturen – neue hygienische Herausforderungen mit sich bringen. Auch die Erwärmung des Grundwassers und der steigende Bewässerungsbedarf in der Landwirtschaft werden künftig stärker in den Fokus rücken.
Eine weitere Perspektive eröffnete der künstlerische Leiter Herwig Turk. Anhand historischer Flusslandschaften und eigener künstlerischer Projekte zeigte er, wie stark der Mensch natürliche Wassersysteme über Jahrzehnte verändert hat. Regulierung und Begradigung machten Flüsse für Wirtschaft und Infrastruktur nutzbar, doch angesichts zunehmender Extremwetterereignisse gewinnen heute Renaturierung und natürliche Flussdynamiken wieder an Bedeutung.
Besonders anschaulich wurde dies am Beispiel des Tagliamento, eines der letzten weitgehend natürlich dynamischen Flusssysteme Europas. Seine sich ständig verändernden Flussarme und Schotterbänke zeigen, wie Bewegung, Hochwasser und natürliche Erneuerungsprozesse miteinander verbunden sind.
Der art◦SALON◦science zeigte damit, wie vielfältig das Thema Wasser ist und wie eng Landwirtschaft, Wirtschaft, Wissenschaft, Kunst und Gesellschaft miteinander verknüpft sind. Genau diesen interdisziplinären Austausch möchte nexus_art + science mit seinen Veranstaltungen ermöglichen.
Abgerundet wurde der Abend durch die Verkostung von 15 prämierten Weinen und Sekten von Alfred Deim und der Sektkellerei Inführ sowie durch Führungen durch die traditionsreiche Klosterneuburger Sektkellerei.
Ein Abend, der deutlich machte: Die Frage, wie wir künftig mit Wasser umgehen, betrifft uns alle.

